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Böögg verbrennen

Feb. 24, 2012
Buhhh, bin ich froh ist ist seit Mittwoch die Fasnacht oder nennen wir es lieber " Die Zeit der Promillekomik" vorbei.

Am Mittwoch wurde in einer traurigen, kleinen Zeremonie unser Sündenbock namens "Böögg" verbrannt. Die Fasnacht ist ja nichts anderes als der Beginn der Reinigung, Läuterung, der Beginn des körperlichen und geistigen Fastens. Kennt man ja auch von Karneval her, was soviel heisst wie Carne Vale, Fleisch lebe wohl. Der Aschermittwoch ist Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, die eigentlich 46 Kalendertage dauert (nämlich von Aschermittwoch bis Ostersamstag und das sind nunmal 46 Tage). Aber ach was, ist eh nicht so schlimm, das katholische Brauchtum hat es ja noch nie sooo genau genommen.

Der Eine oder die Andere ist wohl insgeheim echt froh darüber, dass die intensive Fasnachtszeit vorüber ist. Ist doch die Fasnacht für manchen das Überdruckventil von 360 Biedermann-Tagen. Man kompensiert nicht nur 46 Fastentage, sondern holt gleich vor, was man sich bis zur nächsten Fasnacht verkneifen muss.

Keine Angst, ich bin der Letzte, der an dieser Stelle Moralapostel spielt. Brauch ich auch nicht, denn Gott sei Dank gibt es den Böögg.
Warum verbrennen wir in Solothurn überhaupt einen Böögg? Man darf ja nicht einmal eine Cervelat im Feuer brötlen, was bringt denn das überhaupt? In keiner Solothurner Schrift konnte ich einen triftigen Grund finden weshalb der Böögg verbrannt wird. Da hab ich mal ein bisschen recherchiert:

Die Fasnacht ist ein erzkatholisches Brauchtum. Die Katholiken haben sich schon immer ein Hintertürchen offen gelassen, dass sie nicht am Judgment Day ins ewige Fegefeuer müssen. Denken wir da an die Beichte: 10 Vaterunser und 50 Rosenkränze und deine Sünden sind vergeben. Coole Sache. Für die Sünder, die während der Fasnacht den Weg nicht mehr bis zum nächsten Beichtstuhl schaffen, hat die Solothurner Fasnacht den Böögg und der Kölsche Karneval den Nubbel. In Köln wird nämlich auch ein Böögg verbrannt. Dort heisst er aber Nubbel. Aber in Köln weiss man hingegen noch, weshalb man den Nubbel verbrennt.

Böögg

In Köln hängt ein Nubbel über jeder Kneipe und am letzten Fasnachtstag wird er von einem verkleideten Geistlichen angeklagt: „Wer hat Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer hat Schuld, dass wir fremdgegangen sind?“. Die johlende Menge antwortet dem Redner mit einem lauten „Dat wor der Nubbel!“, „Der Nubbel hat Schuld! Er soll brennen!“

Tja, und so werden der Nubbel und mit ihm alle Sünden verbrannt.

Also ihr lieben Närrinnen und Narren, ihr könnt wieder aufatmen: Der Böögg ist verbrannt und den Sündern ist vergeben.

Lasst uns mit der Asche des Böögg ein Kreuz zeichnen - von mir aus kann es auch ein Blaues Kreuz sein. Ich freue mich schon auf die nächste Fasnacht. Es geht ja nur noch 358 Tage…

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