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Gequält

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Könnt ihr euch noch an eure Kindergartenzeit erinnern? Ach war das Leben damals unbeschwert und herrlich. Wir lernten den sozialen Umgang mit Gleichaltrigen und den Respekt vor der Chindsgilehrerin-Autorität.

Damals gab es noch keinen Kinderhort in den wir von unseren Eltern gesteckt wurden. Heute wird so ein Kinderhort von den Eltern in liebevoller Arbeit für ihre Kidis evaluiert. Er muss schliesslich Ethisch-, Konfessions-, und Ausländerquoten-Korrekt sein. Die Kinder-Betreuerin muss ein gutes Leumundszeugnis haben, darf nur Fair-Trade Windeln und Bio-Produkte verwenden. Die Schoppen und Nuggi müssen zwingend, sobald sie einmal ausgespuckt wurden, in einem Sterilisator keimfrei gemacht werden. Gespielt und geschlafen wird nur korrekt nach internationalen Menschenrechtskonventionen. Alles ist reguliert und behütet. Wehe wenn da ein Element im System versagt. Dann gibt es Rambazamba von den Eltern.

Da hatte ich es als kleiner Pimpf noch viel schöner. Meine Mutter, die selbstverständlich eine Mutter und keine, im Arbeitsprozess integrierte Gutenachtkuss-Erscheinung war, schickte mich einfach zum Spielen in die Nachbarschaft hinaus. Ich bekam Gummistiefel angezogen, egal ob Sommer oder Winter, und ganz schlimme Kordhosen und los ging's. Da wurde einfach drauflos gespielt. Im Wäldli machten wir als 4-Jährige selbständig Feuer und setzten uns in Ameisenhaufen. Wir spielten verstecken und haben uns gegenseitig verprügelt. Dann war der Andere einfach ein dummer Siech und ich habe mit ihm 2 Tage nicht mehr gespielt. Danach haben wir Frieden gemacht und es ging von vorne los. Bunt gemischt mit Jüngeren und Älteren mit Stärkeren und Schwächeren haben wir unsere Tage rumgebracht. So bekamen wir einen Charakter und lernten uns zu behaupten.

Im Kindergarten war dann alles eine Stufe korrekter. Da mussten wir bestimmte Konventionen, die von der Kindergärtnerin aufgestellt wurden und für mich völlig unverständlich waren, befolgen lernen. Ich habe nie begriffen weshalb ich nur 15 Minuten mit dem Bauernhof spielen durfte und dann wechseln musste, um einem andern Goof platz zu machen. Jeder wollte mit dem Löwen spielen, da musste man Stärke zeigen. Wehe man hat ihn freiwillig jemandem anderen überlassen. Das wurde sofort ausgenutzt. Wir Kinder hatten da ein untrügliches Sensorium wer schwach war und wem man etwas "abläschele" konnte. Wenn er halt das Znüni nicht teilen wollte, wurde er solange gequält bis er es tat. Quälen hies bei uns nicht unbedingt mit physischer Gewalt. Oft waren wir viel fieser und haben es psychologisch gemacht. z.B. die Finken versteckt bis er geheult hatte oder s'Znünisäckli voll Gras und Schnecken gestopft. Natürlich haben wir auch jemanden so lange rumgeschüpft oder bis nach Hause verfolgt bis er am nächsten Tag sein Znüni teilte. Und genau das war sein Fehler. Von da an war er unten durch. Das haben alle gemerkt, sogar der physisch Schwächste hatte mitbekommen auf welche Tour man einem Weichei das Znüni klauen konnte oder wie man jemanden zum Weinen brachte. Da waren die Rollen sofort verteilt. Und das ganze war nicht eine Frage von Grösse oder Stärke, sondern wie man sich im entscheidenden Moment verhalten hatte. Einmal einen Fehler gemacht und zaaaack - wurde das von allen unbarmherzig ausgenutzt. Da haben wir uns einen Sport draus gemacht, genau diese zu Dissen. Einmal in der Versager-Rolle immer in der Versager-Rolle.


Kindergarten

Ja lieber Bundesrat - ich befürchte genau diesen Fehler habt ihr gemacht. Keine Einheit, keine Stärke - schwächliches Gestrampele und Rumgeheule. Ja, jetzt hacken halt die Gaddafis, Libyer, die Obamas, Deutschen Steuerbehörden wegen Daten-CD, Religionsgemeinschaften wegen Minarett-Verbot, Amerikanischen Steuerbehörde IRS wegen Steueroase Schweiz und und und auf uns rum.

Schlimm, wenn man so gequält wird und es nicht mal mehr nutzt, sein Znüni zu teilen. Wenn man mal so tief gesunken ist, und von allen aus reiner Lust an der Freude gequält wird, ist es sehr schwer wieder aufzustehen. Mut und Gegenschlag ist das einzige Rezept. Verteidigung ist lächerlich. Das spornt die andern höchstens noch mehr an auf uns rumzuhacken. Lieber Bundesrat, vielleicht tut ihr gut daran, euch mal an eure Kindergartenzeit zurück zu erinnern.

Viel Glück liebe Schweiz.

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