Ich habe nie begriffen, weshalb im katholisch dominierten Solothurn an den Feiertagen das profane, ruchlose Leben total zum Stillstand kommen muss. Da können wir nur kurz über die Grenze hinüber ins nächste Kaff wechseln (wo geht eigentlich die Grenze durch) und dort blüht das pralle Leben in seiner schönsten Pracht.
Aber pfui Teufel, im Kanton Solothurn wird noch immer unter dem Deckmantel des Kirchenstaates die kollektive Entsagung zur Erlösung verordnet.
Nicht einmal in Italien ist das so. Man erinnere sich: Die Hüter des Katholizismus thronen noch immer mitten in Italien. Genauer gesagt im Vatikan. Da verwundert es auch nicht, dass die römisch-katholische Kirche in Italien mit über 80% der Bevölkerung die grösste Glaubensgemeinschaft Italiens ist. Das ist auch schön so.
Jetzt sollte man eigentlich meinen, dass in Italien das weltliche Leben höchstens kurz zwischen den Gängen von der Morgen- zur Mittag- zur Abendmesse stattfindet. Weit gefehlt!
In den städtischen Zentren (und das ist dort wo das Leben pulsiert) sind die Geschäfte sogar an den Sonn- und Feiertagen, ja Feiertagen! geöffnet. Der Italiener ist ein lebensfröhlicher Mensch. Sonntags putzt er sich fein raus, zieht den Kindern die teuersten Lackschuhe an und geht mit seiner Familie in die Kirche. Das ist eine schöne Tradition. Und anschliessend an die Messe beleben Sie mit ihrem fröhlichen und lauten Geschnatter die Plätze, Bars und Cafés. Das finde ich grossartig. Das ist Leben!
Und in der Schweiz und vor allem im Kanton Solothurn?
Tja, wer sich da überhaupt noch die Mühe macht aus dem Haus zu gehen, der geht an eine trübselige, weihrauchgeschwängerte Messe, um danach zwangsläufig wieder nach hause zu gehen und das Fernsehprogramm fortzusetzen, weil ja sowieso nichts offen hat.
Was jeder von uns schon im Kindergarten gelernt hat: Der Mensch handelt bedürfnisorientiert: Hat er kalt, zieht er sich eine Jacke an. Hat er Hunger, isst er was. Will er unter Menschen, geht er in den Ausgang. Und dabei sind ihm irgendwelche Staats- oder Kirchengrenzen keine Hindernis. Deshalb kommt mir die Kampagne der Freidenker "Trennung Kirche-Staat" gerade gelegen.
Ich wünsche allen frohe Pfingsten (verdammt, was schon wieder ist Pfingsten?)
ELEVEN - Party in Haven or Hell!